Gottfried Helnwein, Selected Articles
Der Spiegel, 05. May 2003

ICH BIN AMERIKAS ALPTRAUM
Interview mit Marilyn Manson
Christoph Dallach, Jörg Böckem

Der Rockmusiker Marilyn Manson, 33, über seine Schock-Kunst, kreative Selbstzensur in den USA und seine neue CD.

SPIEGEL:
Sorgt sich Ihre Plattenfirma, dass Ihr neues Werk boykottiert werden könnte?

Manson:
Nein, Ärger gab es nur mit einem Cover-Entwurf des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein. Er hatte ein Foto von mir im Stil von Mickey Mouse bearbeitet, aber die Plattenfirma hatte zu viel Angst vor Disney - und davor, dass große Händler das Album nicht in ihre Läden nehmen würden. Es ist schon lustig, wie viel Wirbel man in den USA mit ein wenig Schminke und zwei großen Ohren erzeugen kann. Amerikaner mögen es nicht, wenn man ihre Ikonen verunstaltet.

SPIEGEL:
Helnwein gilt wie Sie als Provokateur des Kulturbetriebs - haben sich da zwei verwandte Seelen getroffen?

Manson:
Ein Künstler, der nicht provoziert, wird unsichtbar. Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert. Helnwein hat das verinnerlicht und entspricht damit genau dem Kern meiner Musik. Unsere Zusammenarbeit erschöpft sich nicht darin, dass ein Künstler einem Musiker ein Cover für sein Album malt. Wir schaffen zusammen Kunst, die unseren Gemütszustand wiedergibt.

SPIEGEL:
Helnwein sagt, Sie seien ähnlich einsam wie er.

Manson:
Ganz bestimmt. Es ist übrigens nicht nur schön, sondern auch befremdlich, jemanden zu finden, der tatsächlich das Gleiche liebt wie man selbst. Ich bin gewohnt, für meine Ideen verurteilt zu werden - und plötzlich ist da jemand, der mich auf Anhieb versteht. Ich war nie ein geselliger Mensch. Das ist einer der Gründe, warum Leute wie ich Entertainer werden - weil sie anders nicht kommunizieren können.


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